USB-C, USB4, Thunderbolt und Power Delivery: Ein technischer Überblick
USB-C: Steckerstandard mit Protokollvielfalt
USB-C ist ein 24-poliger, symmetrischer Steckverbinder. Seine Form ist mechanisch eindeutig, verdrehsicher und ersetzt langfristig Typ-A/B-Varianten. USB-C definiert rein den physischen Stecker und die Pinbelegung, nicht jedoch die darauf laufenden Protokolle.
Die Pins sind funktional zugeordnet: vier Hochgeschwindigkeits-Differenzialpaare (TX1+/-, RX1+/-, TX2+/-, RX2+/-), zwei Konfigurationskanäle (CC1/CC2), zwei Sideband Use (SBU1/2), vier VBUS/GND-Paare und zwei D+/D- für USB 2.0.
USB-Protokollstandards (USB 2.0 bis USB4)
USB 2.0: 480 Mbit/s (Half-Duplex, NRZI)
USB 3.2 Gen 1×1 (SuperSpeed): 5 Gbit/s, 8b/10b Codierung
USB 3.2 Gen 2×1 (SuperSpeed+): 10 Gbit/s, 128b/132b Codierung
USB 3.2 Gen 2×2: 2x 10 Gbit/s über zwei Lanes, 20 Gbit/s effektiv
USB4 (basierend auf Thunderbolt 3)
PHY-Level: 2×20 Gbit/s (symmetrisch, bidirektional), PAM2
Multiprotocol-Fabric: USB4 arbeitet über ein Paket-basiertes Transportprotokoll, das verschiedene Protokolle tunneln kann (PCIe, DisplayPort, USB 3.x)
Backward-Kompatibilität: Abwärtskompatibel zu USB 3.2 und USB 2.0
Thunderbolt: Hochleistungs-I/O über USB-C
Thunderbolt 3
40 Gbit/s durch 4 Lanes (PCIe 3.0 x4 + DP 1.2)
Native Tunneling mit geringer Latenz
USB-C als physikalisches Interface
Thunderbolt 4
Gleiche Bandbreite wie TB3, aber striktere Anforderungen:
PCIe mindestens 32 Gbit/s
Zwei 4K-Displays
Mandatory Hub-/Daisy-Chaining-Support
Thunderbolt 5
Übertragungsverfahren: PAM-3 (3-Level Pulse Amplitude Modulation)
80 Gbit/s bidirektional, bis zu 120 Gbit/s asymmetrisch (DP-Burst-Modus)
Unterstützt DisplayPort 2.1 (UHBR10/20)
DisplayPort & Alternate Modes über USB-C
DP Alt Mode: Native Signalweitergabe von DisplayPort über USB-C (bis DP 2.0 bei geeigneter Hardware)
HDMI Alt Mode: Weniger verbreitet, bietet begrenzte Kompatibilität
Unterschied zum Tunneling:
Alt Mode: Native Weiterleitung (PHY-Layer)
Tunneling: Protokoll wird auf USB4/Thunderbolt-Pakete aufgesetzt
USB Power Delivery (PD 2.0 bis 3.1)
Kommunikation: Über CC-Leitungen mit BMC (Biphase Mark Coding)
PD 3.1 (EPR): Bis zu 240 W (48 V, 5 A)
Profile:
SPR (Standard Power Range) bis 100 W
EPR (Extended Power Range) bis 240 W
Kabeltypen und E-Marker
Passive Kabel: Ohne aktive Elektronik, max. 0,8 m für USB4 40 Gbit/s
Aktive Kabel: Mit Redriver/Retimer zur Signalaufbereitung
E-Marker: EEPROM-basierte Chips zur Übertragung von Kabelparametern (z. B. Stromtragfähigkeit, Datenrate)
Physikalische Aspekte: Signalqualität und Kabel
Impedanzanpassung: 85 Ω differenziell, kritisch für Signalintegrität
Crosstalk: Bei parallelen Lanes relevant
Redriver/Retimer: Notwendig für längere Kabel
Kabellänge:
USB 3.x: Bis 1 m
USB4/Thunderbolt: Bis 0,8 m passiv, >2 m aktiv
Praxis: Kompatibilitätsprüfung
Tools:
Linux:
lsusb
,usb-devices
,dmesg
Windows: USB Tree Viewer
macOS: Systeminformationen > USB/Thunderbolt-Bericht
Port-Symbole korrekt interpretieren:
⚡ = USB PD fähig
DP = DisplayPort Alt Mode
Thunderbolt-Logo = TB3/4/5
Fazit
USB-C als universeller Steckerstandard vereint unterschiedlichste Protokolle, die sich technisch stark unterscheiden. Eine genaue Kenntnis von Protokollstack, PHY-Layer und Power Delivery ist essenziell für die professionelle Planung, Fehlersuche und Integration in Hardwaredesigns.
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